Ein Lichtermeer im Hamburger Advent

In England ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. In Deutschland ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Und in Österreich ist alles erlaubt, was verboten ist, denn bei uns hängen auf einer Türe meist zwei Schilder: "Eintritt verboten!" und "Achtung Stufe!". Was das mit unserer Reise nach Hamburg zu tun hat? Trotz des am 22. November verhängten Lockdowns konnte man (geimpft oder genesen) jeder Zeit verreisen. Es gab also keine rechtliche Grundlage, den schon lange zuvor gebuchten Kurzurlaub nicht anzutreten.

Nie hätte ich für möglich gehalten, welchen Aufwand die Hamburger treiben, damit ihre Stadt in weihnachtlichem Glanz erstrahlt. Selbst Einkaufszentren, fast immer und überall Tempeln des schlechten Geschmacks, waren überwältigend, jedoch nie überladen, dekoriert. Der Hauptbahnhof empfängt seine Gäste neben Lichterschmuck mit einer sensationellen Weihnachtskugel. Das Levantehaus war so bezaubernd geschmückt, dass der Besuch ohne weiteres als ein Höhepunkt der Reise bezeichnet werden kann. Der Markt "Weißerzauber Jungfernstieg" hatte weder ein besonderes Warenangebot noch verbreitete er eine weihnachtlich Stimmung (Die ununterbrochene Dauerbeschallung mit der zweisprachigen Durchsage über Maskenpflicht und Abstandsregeln diente eindeutig der Besuchervertreibung.), aber von der gegenüberliegenden Straßenseite sah er in seinem Lichterkleid traumhaft schön aus. Insgesamt animierten Hamburgs Weihnachtsmärkte weniger zum Einkaufen, als zum Flanieren/Verweilen. Sie waren alle individuell gestaltet: Lichtermeer am Rathausplatz, Märchenfiguren um St. Petri, Knusperhäuschen am Gänsemarkt oder Wichteln in Bergedorf. Allesamt schenkten sie einen guten Glühwein aus und in Bergedorf gab es köstlichen Fisch sowie Meeresfrüchte. Besonders auffällig war, dass abends viel weniger Leute unterwegs waren als tagsüber. (Eine wahre Wohltat, bedenkt man, was sich normalerweise nach Einbruch der Dunkelheit auf Wiener Christkindelmärkten abspielt.) Vielleicht lag es an den abgetrennten Bereichen für die Gastronomie, die Corona wegen eingeführt worden waren. Außerhalb ließ es sich jedenfalls angenehm die Stände entlang bummeln. Gerne hätten wir auch den Weihnachtsmarkt "Hafenzauber" bei den Landungsbrücken besucht. Nun weiß ich aus Erfahrung, "bei" bedeutet in Norddeutschland nicht unbedingt "in der Nähe von", doch dieser Weihnachtsmarkt muss wirklich ganz weit weg liegen. Zwei Abende lang versuchten wir ihn zu finden und sind kläglich gescheitert. Stattdessen unternehmen wir einen Abendspaziergang entlang der Elbpromenade, wo um diese Jahreszeit kaum Leute unterwegs waren.

Hamburg präsentiert sich im Advent weniger als Perle des Nordens denn als Metropole des Lichts und ist unbedingt einen Besuch wert.

 

Kommentare sind geschlossen.